gleichmütig garteln und leben

Schongang

Myalgische Enzephalomyelitis /
Chronisches Erschöpfungssyndrom

  • Als Psychotherapeutin und als selbst Betroffene möchte ich zunächst feststellen: ME/CFS ist eine körperliche Erkrankung, die - wie wohl die meisten Erkrankungen auch - psychosomatische Anteile und/oder psychische Folgeerscheinungen hat.
  • Leitsymptome von ME/CFS sind eine schwere Erschöpfung, Konzentrations- und Schlafstörungen, Schmerzen und eine ausgeprägte Belastungsintoleranz mit deutlichen Überlastungsreaktionen (PEM/PENE/Crash). Bei ME/CFS ist der Körper nicht mehr in der Lage, ausreichend Energie bereitzustellen.
  • Der "kaputte Akku" macht es schwierig, Symptomen psychischer Folgeerscheinungen vorzubeugen oder ihnen zu begegnen. Während das Zauberwort bei Depressionen, Angst- oder Somatisierungsstörungen Aktivierung  ist, heißt es bei ME/CFS Schonung . Darum ist es enorm wichtig, für sich selber gewichten zu lernen, wer gerade mehr Hilfe benötigt: Körper oder Seele (wobei es natürlich grundsätzlich ein Zusammenspiel beider bleibt):

    So kann auch bei leerem Akku ein kurzer Spaziergang oder ein kurzes Telefonat wichtig sein, um die Grübelspirale oder Suizidgedanken zu unterbrechen. Und es kann nötig sein, etwas nicht zu tun, was Freude schenkt, weil der Akku sonst noch leerer wird und die Konsequenz daraus neben einer weiteren/stärkeren Überlastungsreaktion nicht selten auch eine psychische Destabilisierung ist.

Pacing vs. GET

  • Aus meiner Sicht hilft nur Hingucken, Ausprobieren, aus Erfahrungen lernen und Anpassung. Ja, der Körper setzt Grenzen (wie auch bei jeder anderen Erkrankung oder im Alter). Und "ME/CFS-Grenzen" müssen eingehalten werden, um Überlastungsreaktionen so gut wie möglich vorzubeugen.

    Manche Grenzen jedoch sind "zum Glück nur" im eigenen Kopf. Und es ist so schwer und so wichtig, sie zu erkennen: "Kopf-Grenzen" dürfen und können im eigenen Tempo und den eigenen Möglichkeiten entsprechend versetzt werden. Das schenkt Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und macht die Welt wieder heller und weiter.
  • Weil ich zu denjenigen gehöre, die die eigenen Grenzen nicht immer angemessen beachten, sich immer wieder einmal auch für sie schämt, habe ich ein kleines Infoblatt zusammengestellt, das inzwischen alle bekommen, mit denen ich regelmäßig zu tun habe. Mich holt das aus meinem Rechtfertigungsdrang. Du kannst es gerne nutzen:
  • Was mir auch hilft, wenn ich mich schäme oder von anderen beschämt fühle, ist der Zucker-Vergleich:

    Zu einer Diabetikerin würde niemand sagen: Du musst einfach nur üben, mehr Zucker zu essen!" Oder? Mein "Zucker" sind Aktivitäten im mentalen, sozialen, körperlichen und emotionalen Bereich. So lecker ich sie finde:  Zu viel ist zu viel. Punkt.